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Mein Weg zu mehr Fairantwortung
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Wir sind Bettler, das ist wahr!

6. Juni 2017

Diese Woche bin ich einem Text von Pfarrer Peter Haigis begegnet, der mich sehr angesprochen hat. Meine momentanen Fragen nach Naturschutz, Sterben, Gerechtigkeit, Besitztum, Bewahrung der Schöpfung, werden zwar nicht beantwortet, aber als legitim und denkbar bestätigt.

 

Die Geschichte der Natur, die wir theologisch als gute, dem Menschen gegebene Schöpfung Gottes deuten, geht in Jahrmillionen über zahllose Menschenleben hinweg, die notwendigen kosmischen Umwälzungs- und Gestaltungsprozessen – Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Fluten, Eiszeiten – zum Opfer fallen, von den Tieren ganz zu schweigen. Doch genau diese so ungestüme Erde hat sich über Millionen von Jahren als Wohn- und Lebensraum des Menschen erwiesen. Gewiss, hier etwas gegeneinander aufrechnen zu wollen – die Ermöglichung von Leben einerseits und dessen anonyme Vernichtung andererseits – klingt zynisch. Aber vielleicht sollten wir uns in unserem theologischen Bemühen der Herausforderung stellen, dass die Schöpfungstheologie, sofern sie auf kosmische Dimension ausgreift (und anders macht sie wohl nur begrenzt Sinn), in Spannung steht zur Botschaft vom „unendlichen Wert“ individuellen Lebens, den wir hoch zu halten gewohnt sind – und vielleicht sollten wir uns auch dem stellen, dass die vorschnell in unsere Schöpfungstheologien eingewanderte Vorstellung, Gottes gute Schöpfung müsse uns zum Wohl und Nutzen (und zu nichts anderem als hierzu) dienen, falsch, kurzsichtig, anthropozentrisch, kindlich-narzisstisch ist: die Erde ist eben nicht des Menschen Haushaltskammer; die Erde ist des Herrn, gerade auch in ihrer individuelles menschliches Leben bedrohenden und vernichtenden Gestalt. Wir sind Bettler, das ist wahr! Zu unserem Eigentum und Besitz gehört nicht einmal das nackte Leben.

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